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Thursday, November 29, 2007

.. Dia de Outono

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Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke, 21.9.1902, Paris






Seigneur, il est temps. L’été fut grand.
Couche ton ombre sur les cadrans,
Et dans les campagnes, déchaîne les vents.
Ordonne aux derniers fruits de se gorger ;
Donne leur, deux jours encore, un peu de la chaleur du Sud,
Force-les à la plénitude et traque
Le dernier suc jusque dans le vin lourd.
Qui n’a pas de maison ne s’en bâtira plus.
Qui est seul le restera longtemps,
Veillant, lisant, écrivant de longues lettres,
Et dans les allées, de-ci de-là,
Ira inquiet quand les feuilles s’agitent.


« Journée d’automne », in Le livre des images (traduction de J.-C. Crespy).




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Friday, November 9, 2007

Pietà

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So seh ich, Jesus, deine Füße wieder,
die damals eines Jünglings Füße waren,
da ich sie bang entkleidete und wusch;
wie standen sie verwirrt in meinen Haaren
und wie ein weißes Wild im Dornenbusch.

So seh ich deine niegeliebten Glieder
zum erstenmal in dieser Liebesnacht.
Wir legten uns noch nie zusammen nieder,
und nun wird nur bewundert und gewacht.

Doch, siehe, deine Hände sind zerrissen-:
Geliebter, nicht von mir, von meinen Bissen.
Dein Herz steht offen, und man kann hinein:
das hätte dürfen nur mein Eingang sein.

Nun bist du müde, und dein müder Mund
hat keine Lust zu meinem wehen Munde-.
O Jesus, Jesus, wann war unsre Stunde?
Wie gehn wir beide wunderlich zugrund.


Rainer Maria Rilke, Mai/Juni 1906, Paris





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